Die Schweizer Kryptobank Sygnum wartet in dieser Woche mit einer überraschenden Nachricht auf: Kunden können Tezos staken, um die Coins mit fünf Prozent zu verzinsen. Zeigt Sygnum damit, was die Bank der Gegenwart zu leisten hat?

Alles geschieht zum ersten Mal, bevor es zur neuen Normalität wird.

So startete im vergangenen Jahr mit Sygnum die erste Schweizer Kryptobank. Ihr Direktor ist niemand geringeres als der ehemalige UBS-Chef Peter Wuffli, was vielleicht besser als alles andere zeigt, welchen Stellenwert Kryptowährungen in der Finanzbranche mittlerweile einnehmen.

Nun bietet die Bank ihren Kunden einen erstaunlichen Service an, an den bisher vermutlich noch keine Bank überhaupt nur gedacht hat: Sie startet, im Auftrag ihrer Kunden die Kryptowährung Tezos (XTZ) zu staken. Das bedeutet, dass die Bank zum Validator der Tezos-Blockchain wird, und Kunden dafür auf ihre Tezos-Einlagen eine Verzinsung von fünf Prozent erhalten. Darüber hinaus bietet sie natürlich den Handel, die Verwahrung und Kredite in Tezos an.

Tezos ist, erklärt Sygnumg, „eine hoch-skalierbare Smart-Contract-Plattform mit einem innovativen Governance-Modell, das automatisch aktualisiert, um Stabilität zu gewährleisten.“ Man sei, so Martin Burgherr, ein Manager von Sygnum, „starke Unterstützer vonTezos und seinem einzigartigen Liquid-Proof-of-Stake-Mechanismus der Governance“.

Kunden, die Tezos staken, können sich jederzeit aus dem Programm zurückziehen und verkaufen, was für eine Verzinsung von 5 Prozent nicht selbstverständlich ist. Sygnum erstellt den Kunden zudem automatisiert Steuerbescheinigungen, was für ein Staking-Produkt nicht das schlechteste Feature ist. Damit dürfte die Bank gut aufgestellt sein, um etwa in Zukunft auch Ethereum zu staken.

Um Tezos zu integrieren, ging Sygnum eine Partnerschaft mit Taurus ein. Die Firma bietet Verwahrlösungen für diverse Kryptowährungen an, darunter Tezos, und erlaubt es auch, zu staken, wenn möglich. Für eine „Multi-Custody-Plattform“, als welche sich Sygnum versteht, ist die Integration weiterer Verwahrer natürlich eine gute Option. Bisher arbeitete Sygnum lediglich mit Custodigit zusammen, das das SILO-System von Metaco verwendet. Allein schon diese Aufzählung an Produkten zeigt, dass sich in den letzten Jahren marktreife Angebote für Banken gebildet haben, die es diesen einfach machen, digitale Assets wie Bitcoin und andere Kryptowährungen zu integrieren.

Die Sygnum-Bank scheint entschlossen zu sein, auf ihrer Plattform das volle Spektrum der Möglichkeiten auszuschöpfen, das Kryptowährungen und Blockchain-Token bieten. So hat sie etwa im März einen Franken-Stablecoin mit der Lizenz der Schweizer Bankenaufsicht herausgegeben, der vor allem im Settlement zum Einsatz kommen soll. Dieser Stablecoin wird mittlerweile auch schon vom ersten Schweizer Fintech-Unternehmen genutzt.

Damit demonstriert die Schweizer Kryptobank, auf wie vielfältige Weise die Blockchain-Technologie das herkömmliche Banking bereichert – und wie nahtlos sie sich mittlerweile in die Produkte der Banken einfügen lässt. Vermutlich wird das, was heute noch neu ist, bald normal sein.

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