Mit dem Lightning-Pool sollen Lightning-Knoten Liquidität leihen und verleihen können. Das könnte für die einen ein beharrliches Problem mit Lightning lösen – und für die anderen eine Gelegenheit abgeben, Bitcoins zu verzinsen.

Lightning ist eine tolle Idee und wäre in der Praxis ja auch toll, wenn es denn nicht das eine oder andere praktische Problemchen gäbe. Eines davon ist die Liquidität: Wenn man Geld empfangen will, braucht man eingehende Liquidität, und die ist gar nicht so einfach zu bekommen. Über die Schwierigkeit damit habe ich bereits nach meinem Tutorial für einen Lightning-Node geschrieben.

Nun präsentiert Lightning Labs einen interessanten Ansatz, um das Problem mit der Liquidität zu lösen: Der Lightning Pool, „ein nicht-treuhänderischer, peer-to-peer-Marktplatz für Lightning-Node-Betreiber, um Channels zu leihen und zu verleihen.“ Der Lightning Pool mache es einfacher, sofort Lightning-Zahlungen zu empfangen, und bringe neue Möglichkeiten ins Spiel, Zinsen für Bitcoins zu kassieren, indem man Liquidität verkauft.

Pool ist eine Art Plugin für die Lightning-Software LND, die ebenfalls von Lightning-Labs herausgegeben wird. Nach der Installation läuft Pool ebenfalls als Daemon und erlaubt es, nach Angeboten für Liquidität zu suchen oder selbst welche anzubieten.

Der Marktplatz für Liquidität zeigt, dass die Basis-Infrastruktur für Bitcoin, die in der Lightning-Software gebündelt wird, zum Fundament weiterer Anwendungen werden kann. Ein Whitepaper von Lightning Labs erklärt, welche zwei Konzepte in den Lightning Pool geführt haben.

Erstens ist dies der „Channel Lease Marketplace“: Ein Marktplatz, auf dem man Channels verleihen kann. Das Angebot für Liquidität wird mit einem Schlüssel gezeichnet, der in Verbindung mit einem der Multisig-Schlüssel steht, mit denen der betreffende Lightning-Channel eröffnet wurde. Auf ähnliche Weise sichert die dem Lightning-Netzwerk unterliegende Public-Key-Kryptographie sowie die Einträge auf der Blockchain den Handel mit Liquidität, von der Publikation der Angebote bis zur deren Exekution. Das für Lightning aufgebaute Kommunikationsnetzwerk, das quasi parallel zum Bitcoin-Netzwerk verläuft, ist für einen solchen Marktplatz unverzichtbar.

Zweitens führt Lightning Labs das Konzept der Shadowchain ein: Eine „neuartige Methode, um komplexere Interaktionen auf der Basis-Blockchain von Bitcoin aufzubauen.“ Eine solche Shadowchain kann „nicht-treuhänderische Smart Contract-Systeme implementieren“, wenn die Logik der Smart Contracts nicht vollständig durch Bitcoin-Scripte ausgedrückt werden kann. Shadowchains sollen es Anwendungsdesignern erlauben, „die Bitcoin-Blockchain für das zensurresistente Settlement zu benutzen, während sie komplexere Teile der Anwendung offchain halten.“

User können der Shadowchain beitreten, indem sie ihre UTXO in die Chain „heben“. Dazu müssen sie die Guthaben in einen Multi-Sig-Output geben, der nach Ablauf einer bestimmten Zeit aufgehoben wird. Geleitet wird die Shadowchain von einem „Orchestrator“, der Transaktionen von Usern akzeptiert und neue Shadowblocks vorschlägt, welche neue UTXOs produzieren, die zum neuen State auf der Basis-Blockchain werden können.

Der Lightning-Pool verbindet nun diese beiden Konzepte, wenn ich es richtig verstehe: Er bildet einen „Channel Lease Marketplace“ als „Shadowchain“ ab.

Das gesamte Konzept ist extrem komplex. Es hilft sicherlich, zu verstehen, wie Lightning auf Basis einer Multisig-Transaktion eine offchain-Schicht baut, und vermutlich hilft es auch, wenn man weiß, wie Sidechains Coins einfrieren und wieder lösen. Dennoch dürfte es für die meisten ein Buch mit sieben Siegeln bleiben.

Aber solange es funktioniert und neue Funktionalitäten beisteuert, ist das nicht so schlimmm, oder?

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