Die Kryptowährung Monero gilt als erste Wahl für eine private Kryptowährung. Das ist mittlerweile auch bei der US-Steuerbehörde IRS angekommen, die einen Analysten beauftragt hat, Monero zu brechen. Den Markt stimmt das wohl bullisch – obwohl man sich auch Sorgen machen könnte.

In dieser Woche könnte man meinen, es gehe beim Bitcoinblog.de darum, Licht in den Dschungel der US-Behörden zu bringen. Heute steht der IRS im Fokus. Das ist die Abkürzung für „Internal Revenue Service“ und meint die Bundesbehörde für Steuerangelegenheiten. Sozusagen ein Bundesfinanzamt.

Der IRS beschäftigt sich derzeit offenbar mit der Kryptowährung Monero. Deren vielbeschworene Anonymität bereitet den Steuerfahndern zunehmend Bauchschmerzen. Denn ein Geld, dessen Ströme man nicht nachverfolgen kann, ist ein Geld, das sich potenziell dem Zugriff des Fiskus entzieht. Daher hat die Behörde schon Mitte September 650.000 Dollar für Analyse-Firmen ausgelobt, die die Anonymität von Monero brechen können.

Wie schon vorher festgestellt, sind Blockchain- und Datenanalysten wie CipherText zwar in der Lage, einige Aussagen zur Herkunft von Monero-Guthaben zu haben. Dabei aber verlassen sie sich ebenso auf offchain- wie auf onchain-Daten und können – bestenfalls – Wahrscheinlichkeiten angeben. Selbst im schlimmsten Fall bleibt die Privatsphäre hervorragend.

Unter den 24 Bewerbern hatte sich der IRS Ende September offenbar für zwei Unternehmen entschieden – die für ihre Analysen bekannte Firma Chainalysis sowie die weniger bekannten Analysten von Integra FEC, deren Heimat eher im traditionellen Finanzwesen liegt. Die eigentlich sehr auskunftfreudige Firma Chainalysis gibt sich zu Monero und der Ausschreibung des IRS etwas bedeckt.

Den Journalisten von Cointelegraph gelingt es nur, der PR-Managerin ein kurzes Zitat zu entlocken: User von Kryptowährungen, vor allem Kriminelle, müssten schon heute oft entscheiden, ob sie eine private Kryptowährung wie Monero benutzen oder eine bequeme, verfügbare und liquide Währung wie Bitcoin. Oft gewinnt Bitcoin, „vor allem, weil Börsen zunehmend Privacycoins vom Handel nehmen, um der Regulierung entgegenzukommen.“

Dieses Statement klingt vor allem wie eine Untertreibung, so, als sei die Sache nicht so wichtig, malt aber gleichzeitig ein dunkles Bild der Zukunft von Monero.

Der Markt nimmt die Neuigkeiten derzeit optimistisch auf: Monero gelang es, sich als Privacycoin der Wahl zu etablieren, und dass der IRS speziell nach Methoden sucht, die Anonymität von Monero zu brechen – beweist das nicht lediglich, dass Monero die Krone der Privacycoins verdient hat? Der Kurs der Währung ist dementsprechend im Lauf der letzten Tage und Wochen deutlich gestiegen, von 80 Dollar vor 30 Tagen auf 110 Dollar, oder von 0,0078 Bitcoin auf 0,0102 Bitcoin.

Mit einer Marktkapitalisierung von knapp zwei Milliarden Dollar ist Monero aber weiterhin auf Rang 15 im Ranking der Kryptowährungen. Hinter EOS, hinter Cardano, hinter Bitcoin SV, hinter Polkadot. Zumindest was die tatsächliche Nutzung und die Bedeutung für das Darknet angeht, ist Monero damit noch immer erheblich unterbewertet.

Andererseits könnte die Bewertung auch das Risiko spiegeln, das Monero mit sich bringt. Wie von Chainalysis hervorgehoben, wird ein Privacycoin wie Monero, der zunehmend im Darknet Verwendung findet, für viele Börsen zu heiß. Während sie bei transparenten Kryptowährungen die Geldströme überwachen können, um der Regulierung zu folgen, ist dies bei Monero mehr oder weniger unmöglich.

Dies kann für viele Börsen bedeuten, dass Ärger mit der Aufsicht vorprogrammiert ist. Daher nehmen manche den Coin vom Handel – etwa CoinCheck in Japan oder BitOasis in Dubai – während andere ihn erst gar nicht listen. Man verbrennt sich leicht die Finger an der Kryptowährung, die den obersten Steuereintreiber der USA so sehr besorgt.

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