Vor kurzem hat Lightning Labs eine neue Version des wichtigsten Lightning-Clients LND veröffentlicht. Die neue Version ermöglicht es, das Limit der Channel-Größe aufzuheben und Wumbo-Channels zu bilden. Damit kommt ein weiteres Puzzlestück hinzu, durch das sich Lightning seiner finalen Form annähert.

Seit der ersten Veröffentlichung haben die Lightning-Entwickler ein Sicherheitslimit eingebaut. Um User davor zu schützen, zuviele Coins zu verlieren, ist die maximale Kapazität eines Channels auf 0,1677 Bitcoin begrenzt. Das entspricht derzeit etwa 1600 Euro, war aber zwischenzeitlich auch schon deutlich weniger wert. „In den frühen Tagen, bevor das Lightning Netzwerk mit echten Bitcoins live ging,“ schreiben die Entwickler bei der Vorstellung von LND v0.11,  „kannten wir das mögliche Spektrum an Angriffen nicht und wussten nicht, wie sich eine Lightning-Implementierung wie LND unter den Bedingungen der echten Welt machen würde.“

Mittlerweile ist das Netzwerk gewachsen und gereift, wodurch die Risikenfür viele User nicht länger so relevant sind. Einige Routing-Nodes, Händler und Service-Provider haben das Limit schon selbst entfernt, indem sie die LND-Codebase geforkt haben. Channels, die in freier Wildbahn mit höheren Limits als 0,1677 Bitcoin auftraten, werden von der Lightning-Community „Wumbo-Channels“ genannt. Damit bezieht sich sich nicht auf Maskottchen des Heideparks, sondern auf eine Episode der Kinderserie Sponge Bob: Der Seestern Patrick erklärt, dass ein Gürtel auf M wie „Mini“ eingestellt ist, obwohl er eigentlich auf W wie „Wumbo“ sein sollte. Danach dekliniert er die Bedeutungen von Wumbo und gründet damit die Wumbologie.

User von LND können ihren Node also auch auf W wie Wumbo stellen, um größere Channels zu bilden. Dazu müssen sie den Node mit der Flagge --protocol.wumbo-channels starten. Dies wird das Limit für die Channels vollständig beseitigen.

Größere Channels sind allerdings nur ein Teil des Ganzen. Denn oft hängt die Zuverlässigkeit einer Lightning-Zahlung weniger vom eigenen Channel ab, sondern von den Channels, die zwischen dem Sender und dem Empfänger liegen. Ein Chanel kann so Wumbo sein, wie er will – wenn die Channels dazwischen M wie Mini sind, wird die Zahlung nicht durchpassen. Erst vor kurzem hat eine Studie gezeigt, wie unzuverlässig Lightning-Zahlungen werden, wenn man mehr als einen Dollar versenden möchte.

Dieses grundsätzliche Problem geht LND mit Multi-Path-Payments (MPP) an: Eine Zahlung wird in mehrere Teile zerbröckelt, die dann einzeln ihren Weg durch das Netzwerk finden, um dann beim Empfänger wieder zusammengesetzt zu werden. MPP wurde bereits im Mai veröffentlicht. Inwieweit es dem Netzwerk tatsächlich hilft, ist mir noch nicht bekannt. Ergänzend hat LND dazu den Lightning Loop auf den Lightning Multi-Loop erweitert, was einem dabei hilft, Channels auf multiplen Wegen zu funden. Mit diesen Bestandteilen könnte Lightning auf einem guten Weg sein, ein effizientes Netzwerk zu werden, das auch größere Zahlungen zuverlässig prozessiert.

Auch wenn Lightning im Lauf der letzten 2,5 Jahre deutlich gereift ist und sich auf grundsätzlicher Ebene als weitgehend sicher erwiesen hat, warnen die Entwickler User davor, unvorsichtig zu sein. Lightning Wallens sind weiterhin „Hot Wallets und damit einer Vielzahl an Risiken ausgesetzt, die unvermeidlich sind, wenn man Coins auf Geräten speichert, die mit dem Internet verbunden sind.“ Daher sollten die User so viel Vorsicht wie möglich walten lassen. Hinweise darauf findet man im Guide für operative Sicherheit aus der LND Dokumentation.

Mit dem neuesten Release versuchen die Entwickler auch, die Sicherheit zu verbesern. Eines der typischen Kernprobleme von Lightning sind die Backups: Für eine normale Bitcoin-Wallet schreibt man die Seed ab, und solange man diese hat, kann man die Wallet unter allen Umständen rekonstruieren. Bei Lightning funktioniert dieser magisch anmutende Effekt nicht mehr. Stattdessen muss man die Channels abspeichern, und auch noch dafür Sorge tragen, dass man stets die aktuellen Channels hat, weil ein veralteter Channel „toxisch“ ist. Als experimentelles Feature bietet LND jetzt die „Datenbank-Replikation via etcd“ an. Das Feature sei noch nicht bereit für den Einsatz in der Produktion, verspricht aber, LND sehr viel robuster und sicherer gegen Datenverlust zu machen.

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