Die US-Großbank JP Morgan plant, eine Partnerschaft mit der zentralen Ethereum-Entwicklerschmiede ConsenSys einzugehen und dabei mehr als 20 Millionen Dollar in das Unternehmen zu investieren.

So schnell kann es gehen. Noch vor drei Jahren zog JP Morgans Boss Jamie Dimon über Bitcoin her. Nun bemüht sich die US-Großbank, sich in die Ethereum-Entwicklerschmiede ConsenSys einzukaufen.

Ungenannten Quellen zufolge möchte die Bank 20 Millionen Dollar in das Startup im Zuge eines 50-Millionen-Dollar-Deals investieren. Dabei soll ConsenSys die von JP Morgan entwickelte und auf Ethereum basierende Quorum-Blockchain übernehmen. Quorum wird von JP Morgan genutzt, um das Interbank Information Network zu betreiben, ein Zahlungsnetzwerk, an dem sich mehr als 300 Banken beteiligen. Angeblich möchte JP Morgan auf diesem auch eine eigene Währung, den JPMorgan Coin, herausgeben, der für Echtzeit-Zahlungen durch eine Blockchain genutzt wird.

Genaue Details zu der Partnerschaft sind noch nicht bekannt und sollen wohl im Lauf der kommenden sechs Monate ausgehandelt werden. Es könnte jedoch zum größten Investment einer traditionellen Bank in ein Krypto-Unternehmen werden.

Vermutlich geht es der Bank mit der Partnerschaft weniger um Kryptowährungen, als um die technische Kompetenz, die ConsenSys bündelt. Das von Joseph Lubin gegründete Ethereum-Startup ist das wichtigste Zentrum von Ethereum. Mit Infura stellt ConsenSys zahlreiche Ethereum-Knoten, deren APIs die Basis von immer mehr Anwendungen sind, da ein eigener Ethereum-Node eine immer größere Belastung wird. Schon Anfang 2018 hat Infura mehr als 6,5 Milliarden Anfragen verarbeitetet, was heute noch viel mehr sein dürften. Daher wird seit langem und zu recht geklagt, dass Ethereum extrem um Infura zentralisiert ist.

Mit MetaMask entwickelt ConsenSys die vermutlich am häufigsten verwendete Ethereum-Wallet. Daneben gibt es zahlreiche weitere Produkte und Dienstleistungen. So bietet ConsenSys Smart Contract Audits an, hilft Unternehmen, eine Enterprise Ethereum Blockchain aufzusetzen und mehr. Insgesamt nimmt ConsenSys eine beherrschende Stellung im Ethereum-Ökosystem ein.

Es dürfte für JP Morgan also eine gute Option sein, in das Unternehmen zu investieren. Für die Bank verspricht die Partnerschaft einerseits den Zugriff auf die technische Kompetenz von ConsenSys, um die eigenen Blockchain-Lösungen zu verwalten und umzusetzen. Andererseits gewinnt sie mit der Partnerschaft einen erheblichen Einfluss auf das Ethereum-Ökosystem, was nützlich werden könnte, falls Ethereum das Versprechen erfüllt, die Kerninfrastruktur des künftigen Finanzwesens zu werden. Für ConsenSys dagegen dürfte ein Investment von JP Morgan eine willkommene Einnahmequelle sein. Ob dies auch für Ethereum an sich gut ist, ist wiederum eine andere Frage …

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