Blockchain-Token, deren Wert wie bei Tether oder DAI an eine Fiat-Währung wie Dollar gebunden ist, nennt man üblicherweise Stablecoin. Nichts könnte irreführender sein – und Händler sollten beginnen, die Konsequenz daraus zu ziehen.

2020 ist das Jahr der Stablecoins. Der stärkste Stablecoin, der Tether-Dollar, ist mit beinah 10 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung die viertgrößte Kryptowährung, gefolgt von USDC, Paxos und DAI, die zusammen noch gut 1,5 Milliarden Dollar aufbringen. So gut wie kein anderes digitales Asset auf einer Blockchain ist so schnell aufgestiegen wie Stablecoins und erreicht ein so hohes Volumen auf den Börsen.

Selbst die Kryptoszene, die sich eigentlich verschworen hat, ein besseres Geld zu schaffen, scheint die Stabilität der Stablecoins zu schätzen. Stablecoins werden genutzt, um Werte von Börse zu Börse zu transportieren, um Zahlungen zu begleichen, und so weiter. Manchmal hat man den Eindruck, die Kryptoszene hielte es schon für ausgemacht, dass nicht Kryptowährungen selbst zum Zahlungsmittel und Wertspeicher werden, sondern Stablecoins, die den Dollar oder Euro abbilden.

Ethereum ist stolz darauf, durch den Maker-Smart-Contract einen Stablecoin geschaffen zu haben, auf den meisten Dezentralen Börsen sind Stablecoins eine Basis-Währung, und Plattformen wie Celsius ermuntern User, Stablecoins zu halten, indem sie dafür höhere Zinsen anbieten.

Das Problem ist nur: Stablecoins sind nicht stabil. Ganz im Gegenteil.

Wertverluste durch Stablecoins

Vielleicht sind die angeblichen Stablecoins kurzfristig stabil. Das macht sicherlich die Buchhaltung einfacher. Aber wenn man auch nur mittelfristig denkt, sind sie fürchterliche Wertspeicher. Der Dollar etwa hat im Lauf der letzten drei Monate sieben bis acht Cent gegenüber dem Euro nachgegeben. Im Mai erhielt man für einen Dollar noch 0,92 Euro. Heute sind es 85 Cent.

Gleichzeitig hat der Euro selbst massiv an Wert gegenüber Gold verloren. Im Januar kostete eine Unze Gold 1.400 Euro. Heute sind es mehr als 1.700. Vor zehn Jahren waren es noch weniger als 1.000 Euro, Anfang des Jahrtausends sogar nicht mal 300. Und der Euro schneidet unter den „Stablecoins“ noch besonders gut ab. Viel schlimmer noch wird es, wenn man sich andere „Stablecoins“ wie die türkische Lira anschaut – die mit der BitLira auch einen Blockchain-Stablecoin hat. Im Februar erhielt man für einen Dollar 6 Lira, heute sind es mehr als sieben. Die Fiatwährungen sind in den letzten Monaten zunehmend volatil.

Eines haben aber alle der sogenannten „Stablecoins“ gemeinsam: Im Vergleich zu Gold verlieren sie alle an Wert. Der Unterschied liegt nur im Tempo und in der Intensität. Gold speichert Werte, seit Jahrtausenden. Es ist der lang etablierte Fixpunkt für Werte – ein echter Stablecoin. Wenn Sie Ihr Vermögen in Gold umrechnen, und Sie bemerken, dass Sie sich im Lauf der Zeit immer weniger Gold kaufen können – dann verliert Ihr Erspartes an Wert. Das passiert, wenn Sie Ihr Erspartes in Euro halten, noch stärker bei Dollar, und erst recht für den Lira. Diese sogenannten „Stablecoins“ sollte man nicht länger als ein oder zwei Tage halten, um Verluste zu vermeiden, und auf gar keinen Fall sollte man sein Privat- oder Firmenvermögen über Jahre hinweg in ihnen aufbewahren.

Jeder Monat, den ein Stablecoin in Ihrer Wallet, in Ihrem Geldbeutel oder auf Ihrem Bankkonto liegt, bedeutet, dass Sie es risikieren, Werte zu verlieren.

Händler haben die Wahl

Dass Produzenten, Dienstleister und Händler überhaupt solche „Stablecoins“ akzeptieren, ist an sich schon seltsam. Wer bürdet sich freiwillig das Risiko auf, im Lauf von Monaten ein- bis zweistellige Verluste durch eine Abwertung der Währung hinzunehmen? Und wer möchte die Wechselgebühren tragen, um die angeblichen Stablecoins in echte Stablecoins zu übersetzen?

Man könnte dies durch einen gesetzlichen Zwang erklären, den Euro als das gesetzliche Zahlungsmittel zu akzeptieren. Aber tatsächlich haben die meisten Händler überhaupt kein Interesse daran, eine wertstabile Alternative anzunehmen. Sie könnten nicht nur Bitcoin akzeptieren, sondern auch schon Gold. Es gibt dafür mehrere Stablecoins, die diesen Namen tatsächlich verdienen: Digital Gold (GOLD), Digix Gold Token (DGX) sowie PAX Gold (PAXG) und Tether Gold (XAUT).

Es wäre problemlos möglich, Gold an der Ladenkasse oder im Onlineshop zu akzeptieren und das offensiv von seinen Kunden einzufordern. Aber bisher macht das eigentlich niemand. Selbst

Wenn Händler Bitcoin annehmen, dann ist es für die meisten wichtig, die „volatilen Kryptowährungen“ durch einen Zahlungsdienstleister direkt in einen „Stablecoin“ wechseln zu lassen. BitPay bietet sogar an, die vereinnahmten Kryptowährungen unmittelbar in USDC-Coins zu wechseln, so dass die Händler es sich ersparen, durch die Volatilität von Bitcoin Risiken einzugehen. Dass die Händler dabei fast zwingend Verluste machen, scheint niemanden zu stören.

Für die Produzenten, Dienstleister, Händler und Mitarbeiter, die gegen den allgemeinen Strom schwimmen, könnte darin eine Chance liegen. Es gibt genügend Dienstleister, die für einen Zahlungen in Euro oder Dollar annehmen und dafür Bitcoins auszahlen – falls man nicht selbst wechseln möchte. Wer dann einen echten Stablecoin erhält, sei es Bitcoin, sei es Gold, hat gute Aussichten, mittel- und langfristig seine Gewinne im Vergleich zu seinen Konkurrenten zu erhöhen, denen der Wertverlust der Fiat-„Stablecoins“ die Einnahmen in relativ kurzer Zeit schmälert.

Natürlich sind Bitcoin und auch Gold kurzfristig volatiler. Zum Teil passiert es auch, dass der Wert nicht nur über Monate, sondern über Jahre hin sinkt. Bitcoin war zwischen 2018 und Mitte 2019 in einem Bärenmarkt, und der Goldpreis ist von 2011 bis 2015 kontinuierlich gesunken. Der Unterschied zu Fiatwährungen ist aber, dass der Wert langfristig nicht sinkt, sondern steigt. Dennoch sollte man Reserven haben, um über Wochen und Monate hin Einnahmeausfälle durch die Volatilität hinzunehmen, vielleicht sogar über Jahre. Aber jeder, der davon ausgeht, dass Euro, Dollar und die anderen „Stablecoins“ mittel- und langfristig an Wert verlieren, sollte dringend darüber nachdenken, Währungen anzunehmen, die tatsächlich stabil sind.

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