Mit 10.000 Euro hat der Bitcoin-Preis eine symbolisch wichtige Schwelle durchbrochen. Der derzeitige Trend nach oben bestätigt sich damit auch in dieser Woche. Viele Altcoins bleiben stark gegenüber Bitcoin, nehmen aber die ersten Gewinne mit.

Die Kryptomärkte bleiben aufregend. Die vergangene Woche sah erneut starke Kursbewegungen, die im Portfolio vieler Investoren gute Gewinne hinterlassen haben.

Bitcoin durchbrach am Wochenende nun auch die 10.000-Euro-Schwelle und hat damit in der vergangenen Woche gut 5 Prozent zugelegt. In Dollar gerechnet wird Bitcoin nun für rund 12.000 Dollar gehandelt.

Der 1-Wochen-Kursverlauf von Bitcoin gegen Euro zeigt einen kontinuierlichen Anstieg des Bitcoin-Preises.

Bitcoin-Euro Kurs im 1-Wochen-Chart. Quelle: Creative Commons

Damit setzt die wichtigste Kryptowährung einen schon seit gut einem Monat anhaltenden Aufstieg fort, der bei knapp 8.500 Euro begann.

In der 1-Monats-Ansicht demonstriert der Bitcoin-Kursverlauf einen stabilen Aufwärtstrend.

1-Monats-Chart Bitcoin gegen Euro bei Bitcoin.de.

Dass die wichtigste Kryptowährung in diesen Höhen schwebt, kam in der Vergangenheit lediglich zu zwei Zeitpunkten vor: Auf der Spitze der großen Blase Ende 2017, und auf der Spitze einer rasanten Erholung im Sommer 2019. Es gibt jedoch Indikatoren, dass es diesmal anders ist:

Der 3-Jahres-Chart des Bitcoin-Preises zeigt mehrere Spitzen im Kursverlauf: Die erste Ende 2017, die zweite Mitte 2019, und die dritte in diesem August 2020.

3-Jahres-Chart Bitcoin gegen Euro bei Bitcoin.de

Die Spitze der Blase Ende 2017 war ein Extremereignis, dem ein Anstieg von gut 1000 Prozent in weniger als einem halben Jahr voranging. Und die Spitze der Rally Mitte 2019 folgte auf eine Bodenbildung bei etwa 3.200 Euro, von wo aus sich der Kurs innerhalb weniger Monate etwa verdreifachte. In beiden Fällen finden wir die typische Übertreibung des Kryptomarktes, der innerhalb von Monaten zwischen Verzweiflung und Euphorie umschwenken kann, und stets Spitzen erreicht, die sich in katerartigen Talfahrten rächen.

Diesmal jedoch hat sich der Preis von Bitcoin weder verzehn- noch verdreifacht und noch nicht einmal verdoppelt. Stattdessen nahm der gegenwärtige Aufstieg seinen Anfang auf einem Plateau von etwa 8.000 Euro. Er ist also viel weniger heftig, explosiv und übertrieben, weshalb er, wenn man soviel in Bilder von Charts hineininterpretieren darf, vielleicht einen längeren Atem haben wird. Sollte er noch ein Weilchen so weitersteigen und dann in der typischen Explosion münden, wäre ein neues Allzeithoch noch in diesem Jahr vorstellbar.

Allerdings wäre auch dieses Allzeithoch anders als die vorangegangenen. Während sich diese vor allem aus einem Trend ZU Bitcoin gespeist haben, könnte in diesem Jahr die Flucht AUS den Fiatwährungen eine neue Rally anfeuern. Die Aussichten, mit Dollar oder Euro auf dem Bankkonto kein Geld zu verlieren, waren noch nie so schlecht, und das Kapital flieht in alles, was nicht durch Notenbanken und die Geldpolitik inflationiert wird, von Gold über Aktien zu Bitcoins. Das Allzeithoch könnte diesmal schlicht den Wertverlust der Fiatwährungen spiegeln.

Ethereum unverändert auf hohem Niveau

Ethereum, die zweitgrößte Kryptowährung, blieb dagegen in der vergangenen Woche unverändert und verlor im Vergleich zu Bitcoin leicht an Wert.

Ethereum-Preis in Bitcoin in der 1-Monats-Perspektive. Quelle: Coinmarketcap.com

Investoren dürfte dies aber gerne hinnehmen. Schließlich blickt Ethereum auf einen starken Anstieg zurück, der den Kursgewinn von Bitcoin weit in den Schatten stellt. Aus etwa 0,026 Bitcoin je Ether wurden gut 0,033. Damit setzt Ethereum ein durchgängig starkes Jahr 2020 fort, in dem der Preis gegenüber Bitcoin kontinuierlich aufholt – auch wenn der Kurs noch weit vom Allzeithoch von 0,15 BTC Ende 2017 und den Hochständen im Jahr 2018 entfernt ist.

Im 3-Jahres-Kursverlauf ist der Ethereum-Preis noch weit von früheren Höchsständen entfernt.

3-Jahres-Chart von Ethereum bei Bitcoin.de

Dennoch wirkt dies optisch wie ein stabiler Trend, der auf einem stabilen Boden aufbaut und durch eine starke Performance der Ethereum-Blockchain untermauert wird. Dies drückt auch der „Flippening“-Index aus, den das Blockchain-Center errechnet. Das Flippening meint im Generellen das Ereignis, dass ein Coin einen anderen von einer Position verdrängt; im Speziellen meint es aber, dass Ethereum Bitcoin vom Thron stößt. Das Blockchain-Center errechnet anhand einiger Indikatoren einen Flippening-Index:

Der Flippening-Index des Blockchain Centers

Der Index reicht bis Anfang 2019 zurück und hat in der letzten Woche mit 59,9 Punkten ein neues Allzeithoch erreicht. Während Ethereum schon seit einiger Zeit mehr Transaktionen produziert und die Miner mehr Transaktionsgebühren vereinnahmen, sind vor allem Marktkapitalisierung und Google-Suchen weit hinterher. Bei Google konnte Ethereum in den letzten Tagen immerhin ein wenig Land gewinnen. Auffällig ist aber vor allem der Anstieg des Handelsvolumens von Ether sowie der Full Nodes.

ETH is awesome and y’all are starting to compete with Peter Schiff for who can stick their head further in the sand…

— Erik Voorhees (@ErikVoorhees) August 7, 2020

Dieser Aufwind dürfte sich vor allem aus dem weiterhin starken Trend der Decentralized Finance (DeFi) speisen. In ihm drückt sich aber auch ein enormes Selbstbewusstsein der Ethereum-Community aus, die Bitcoin auf ihrem Gebiet nicht einmal mehr als Konkurrenz wahrnimmt. Eine kürzliche von Bitcoin-Maximalisten gestartete Kampagne in den sozialen Medien darüber, dass bei Ethereum die Anzahl der Coin nicht so einfach und klar zu berechnen ist wie bei Bitcoin, kratzt nicht am Selbstbewusstsein der „Ethereaner“, sondern drückt eher die Unsicherheit der Bitcoin-Maximalisten aus.

Altcoins weiter stark, aber mit Gewinnmitnahmen

Altcoins legen im letzten Monat generell eine starke Performance hin, auch wenn die vergangene Woche teilweise einen leichten Dämpfer sah.

Das Blockchain Center hat auch dazu einen originellen Chart: „Haben wir bereits Altcoin-Saison“? Dieser Chart ist „unser Versuch, die Frage, ob bereits Altcoin-Saison ist, aufgrund von Daten zu beantworten. Eine Saison dauert drei Monate, also schauen wir uns die Performance der Top-50-Coins in den letzten 90 Tagen an. Wenn die Altcoins gegenüber BTC an Wert gewinnen, steigt der Altcoin Saison Index. Wenn 75 Prozent der Altcoins in den letzten drei Monaten besser als Bitcoin abgeschnitten haben, haben wir Altcoin-Saison.“

Quelle: Blockchaincenter.net

Laut dem Blockchain Center ist derzeit wieder Altcoin-Saison. Die meisten Altcoins bringen Investoren bessere Rendite als Bitcoin. Dabei ist natürlich nicht jeder Altcoin gleich. Einige machen mehr, andere weniger Gewinn. Besonders auffällig ist die Preisentwicklung bei LINK, dem Token von Chainlink.

Auch in der letzten Woche ist Chainlink rasant gestiegen.

Chainlink-Kursverlauf der letzten Woche. Quelle: Coinmarketcap.com.

LINK hat in der letzten Woche einen furiosen Preisanstieg gesehen, der von 8,50 Dollar auf etwa 13,50 Dollar führte, und selbst gegenüber Bitcoin einen Gewinn von mehr als 30 Prozent einfuhr. Die Marktkapitalisierung von Chainlink erreichte damit beinah 5 Milliarden Dollar, womit das Token im Ranking der Coins an Bitcoin SV (BSV) vorbeizog und nun knapp hinter Bitcoin Cash (BCH) auf dem sechsten Platz rangiert.

Chainlink ist eines der digitalen Assets, dessen Preis einfach nur steigt und steigt.

Gesamter Kursverlauf von Chainlink nach Coinmarketcap.

LINK entpuppt sich für Investoren als verblüffend ergiebige Goldgrube. Erst am 22. April haben wir verblüfft darüber berichtet, dass LINK auf 3,67 Dollar gestiegen ist und damit den Wert des Tokens seit der Ausgabe durch eine ICO mehr als verfünfzigfacht hat. Wer zu diesem Zeitpunkt dachte, dass der Kurs für ein Token, das zu einem noch gar nicht ganz entwickelten Oracle für Smart Contracts gehört, zu hoch ist, hat sich offenbar geirrt.

Weniger glanzvoll, aber doch bemerkenswert hat sich Bitcoin Cash (BCH) entwickelt. Während die Community derzeit dabei ist, sich über eine Wiederauflage der Miner-Steuer durch Bitcoin ABC zu zerfleischen, blieb der Kurs über die Woche weitgehend stabil, schwankte zwischen 280 und 320 Dollar, und hielt sich sogar gegenüber Bitcoin. Vielleicht wertet der Markt das jüngste Drama weniger als Unsicherheit, sondern als Zeichen dafür, dass die Community lebendig ist.

Anders sieht es bei Bitcoin SV (BSV) aus. Nachdem Bitcoin SV schon relativ früh in dieser Rally deutliche Gewinne gegenüber Bitcoin verbuchen konnte und auf teilweise mehr als 0,02 BTC gestiegen ist, sank der Kurs in der vergangenen Woche durchgehend, um nun wieder bei 0,019 BTC zu sein. Es gibt weder Positives noch Negatives zu berichten, und Bitcoin Cash gelingt es wieder, den Abstand zum ungeliebten Brudercoin zu vergrößern.

Auch Ripple (XRP) verliert konstant gegenüber Bitcoin; Investoren in XRP profitieren aber weiterhin von erheblichen Kursgewinnen gegenüber Bitcoin Ende Juli. Ein ähnliches Bild gibt Litecoin an. Insgesamt scheint der Trend in der letzten Woche der zu sein, dass viele Trader die starken Gewinne durch Altcoins mitnehmen, indem sie Altcoins gegen Bitcoin tauschen, ohne allerdings ihre Positionen komplett aufzulösen.

Diese Tendenz könnte auch ein Zeichen dafür sein, dass der derzeitige Aufstieg eine Verschnaufpause einlegt oder sich ein Plateau sucht, auf dem er erst einmal bleibt. Das wäre zwar für manche Investoren enttäuschend – aber für den Markt an sich ein extrem gutes Zeichen.

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